Bevor meine Tochter zur Welt kam, lief irgendwie alles ziemlich geregelt in meinem Leben. Ausbildung, Weiterbildung, Hochzeit, Prinzenpaar, Schwangerschaft, Kind. Fast schon zu geplant. Ich ging jeden morgen, nachdem um 5 Uhr der Wecker klingelte, um halb 6 aus dem Haus. Fuhr schnellstmoeglich ins Buero, um dem Berufsverkehr garnicht erst in die Quere zu kommen. Kam dann meist als erste ins Buero und genoss die Ruhe, morgens lief mir die Arbeit immer besonders gut von der Hand. Kollegen meinten dann immer, wie ich das schaffe jeden morgen so frueh aufzustehen. Der Ehrgeiz und die Aussichten Ueberstunden aufzubauen trieben mich an. Meist war ich auch eine der letzten die ging und nahm meine Arbeit ziemlich ernst und wollte alles perfekt erledigen. Oft habe ich mich ueber Kollegen aufgeregt, die die Arbeit alles andere als ernst nahmen und auch dem entsprechend erledigten. War immer auf der Suche die Arbeitsablaufe meiner Abteilung zu optimieren und konnte ueberhaupt nicht nachvollziehen, dass sich meine Kollegen darueber ueberhaupt keinen Kopf machen, ob die Arbeitsschritte jetzt sinnvoll sind oder nicht. Als ich dann im Mai 2008 feststellt, dass ich schwanger bin, war ich total happy, aber auch ueberrascht, dass gleich der erste Versuch geklappt hat. Unsere Tochter war von Anfang an, ein totales Wunschkind. Ich hatte, aber da bisher alles wie am Schnuerrchen lief totale angst die Kleine zu verlieren. Mein Mann und ich haben es dann auch erst nach der 12 Woche unseren Eltern und dem Rest erzaehlt. Die ersten sechs Monate musste ich mich staendig uebergeben und mir ging es nicht gut. Oft bin ich beim fruehen aufstehen an meine Grenzen gestossen und nicht so frueh wie ich wollte aus dem Bett gekommen. Manchmal konnte ich vor Uebelkeit garnicht aufstehen, nicht mal auf den Beinen halten. Ich wo doch nie Krank war in den acht Jahren im Buero, war ich zwei mal krank und jetzt, alleine zwei Tage in den ersten drei Monaten. Habe mich zu der Zeit nicht gut dabei gefuehlt und ein schlechtes Gewissen gehabt. Je weiter die Schwangerschaft voran Schritt, desto oefter stiess ich an meine koerperlichen Grenzen. Dahin mit dem Ehrgeiz, immer oefter hat mich mein koerper zur Ruhe gezwungen. Wenn mich jemand fragte, wie lange ich zuhause bleiben will, sagte ich immer mit einer Ueberzeugung und das war ich wirklich, dass ich mindestens ein Jahr, aber nicht laenger komplett zuhause bleiben will und im zweiten wieder drei Tage die Woche kommen will. Meine Mama hatte mir angeboten die Kleine in der Zeit zu nehmen. Mama meinte, dass sie sich nicht vorstellen kann, dass ich ohne mein Geschaeft laengerfristig auskommen koennt. Je naeher die Zeit zum Mutterschutz voran schritt, raeumte ich ein erst mal ab zu warten, wie die Kleine wird und wenn sie ein Wirbelwind werden wuerde, vielleicht doch noch ein zweites Jahr zuhause zu bleiben. Dass koennte ich meiner Mama nicht zumuten, dachte ich.